19 April 2006

Taktiken - Zumüllen 1.0

Auf eine einfache Frage mit Logorrhöe reagieren

Eine beliebte Taktik, einer Antwort auszuweichen, ist Wortdurchfall, gespickt mit Resten von unverdautem Denken, Unterstellungen, Behauptungen und Absurditäten. Möglichst viel davon.

Hier ein Beispiel (1)

Auf die klaren Fragen (36 Wörter)

Na, Türke [Anm.d.Red: so nennt sich der Poster im Beispiel!], dann frag ich dich mal, ob du hier eine Vorherrschaft des Islams willst oder nicht. Und ich frage dich, ob du hier in Europa die Herrschaft des Säkularismus willst oder nicht. Ja oder nein?
folgt Müll, ein Wortschwall von 238 Wörtern (= 1 volle Buchseite), beginnend mit einer Unterstellung
Die Suggestivfrage hat nur ein Ziel:
und gleich noch einer Unterstellung
Die Manipulation.
Mit den ersten 8 Wörtern soll natürlich der Gesprächspartner herausgefordert werden, sich zu rechtfertigen. Vor lauter Adrenalin soll er vergessen, dass er eine klare Frage gestellt hat, die eine klare Antwort verlangt. Mit den weiteren 230 Wörtern kommt ein Regen von Ablenkung von der Frage, aber auch von der Taktik.

Mit dem ganzen Wortschwall sagt der Wort-Müller aber nur, dass er nicht antworten will. Dass er nicht an der Klärung der Positionen interessiert ist. Dass er keine Argumente hat. Dass er etwas zu verstecken hat. Und das ist ja auch eine Antwort. Eine klare Antwort.

Man muss der Taktik immerhin zugestehen, dass die klare Frage auch für einen fremden Besucher im Müll untergeht. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass der fremde Besucher den Müll als Zeichen versteht, dass der Müller etwas zu verstecken hat.

Denn es gilt:
Mit Müll deckt der Müller zu, was niemand sehen soll.


Diese Erkenntnis, nämlich dass er etwas zudecken will, ist alleine wichtig, und nicht die Details im Müll. Es lohnt sich keine Sekunde, den Wortschwall durchzulesen oder zu beantworten.

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(1) Die Frage und der Müll befinden sich hier
Hier finden sich die Variante II und Variante III zum Zumüllen

Kommentare:

nebeldeutsch hat gesagt…

find ich gut, dass du dir Zeit nimmst, die Texte (bzw. den Nebel) zu analysieren. Vielleicht kannst die mal gesammelt zu einem Buch verarbeiten oder anderweitig öffentlich machen.

Robin Renitent hat gesagt…

In Fällen schwerer Logorrhöe empfehle ich immer ein Logorrhöotom - eine Redefluss-Schere. Mein Vater hatte immer eine dabei und schnitt Patienten, gelegentlich, ganz gelegentlich, denn er war ein höflicher Mann, den Redefluss ab. Mit eben jenem Instrument.

 

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