23 Juli 2006

Ehrlichkeit

Manchmal bricht das Gute im Menschen durch, und die Offenheit zeigt sich einen Moment völlig nebelfrei. Auch unter den fundamentalistischen Muslimen.
Das möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten.

Einen solchen Moment dokumentiert der Demonstrant nebenan. Da steht

Der Islam wird herrschen!

Ist das nicht wunderbar? Die Ehrlichkeit, meine ich.






Auch hier bricht sich die Ehrlichkeit Bahn:

Wir sind alle Hizbollah

steht da.

Die Kopftuchträgerinnen sind alle auch Hizbollah, sie wollen alle auch nur Israel vernichten, den Libanon zum Gottestaat machen, und anschliessend, wie es im ersten Plakat heisst, die Welt dominieren.
Ist doch völlig in Ordnung, nicht? Steht ja schon im Koran.
Es darf einfach nicht sein, dass sich jemand dagegen zu wehren erfrecht, beim Barte des Propheten!

(Ausschnitte aus Photos auf Jihadwatch)

03 Juli 2006

Fauler Zauber

Wenn Tariq Ramadan über Islam-konformes Banking redet (1), dann wird’s heilig. Denn er hat strenge ethische Ansichten, hehre Prinzipien und einen verklärten Blick.

Die Finanzleute zum Beispiel, die machen nach Tariq Ramadan beim Islamic Banking

„nichts anderes als das Ersetzen der klassischen Finanzsprache durch eine besondere Terminologie. Insgesamt ändern die Namen, aber man macht dasselbe.“ (2)
Fauler Zauber also. Heuchelei. Na, endlich gibt’s mal ein Muslim zu, sogar der Tariq Ramadan, dass Islamic Banking nichts ist als Heuchelei und fauler Zauber! Sag ich doch schon immer, Hundert plus fünf ist genau gleichviel wie Hundert plus fünf Prozent, die sollen doch nicht so tun.

Lehnt Ramadan das ab? Immerhin sagt er, das sei
„zu utilitaristisch, die ethische Dimension bleibt marginal“ (3)
In ihrer elitistischen Weise ziele diese Industrie vor allem auf die Vermögen der Ölmonarchien ab, während die Mittelklasse mit den muslimischen KMU Mühe hat, Bankdienstleistungen zu finden, die ihre Ethik respektierten. (Auf gut deutsch: Es ist nicht recht, dass die Mittelklasse vom faulen Zauber und der Heuchelei ausgeschlossen ist.)

Überhaupt sei es problematisch, von „islamischer Finanz“ zu reden.
„Es wäre besser, von islamischer Ethik in der Ökonomie zu sprechen.“ (4)
Wird dann alles besser? Ists dann nicht mehr utilitaristisch? Gehts womöglich gar nicht mehr um Geld? Wendet sich der Blick vom Mammon ab und endet aller Eigennutz?

Oh, lieber Leser, liebe Leserin, geehrte Gemeinde, es sei ausgesprochen: Dem Herrn Ramadan geht es zuallererst um Ethik, jawollja, und die fehlt heute: Denn der Sinn für "ausgleichende Gerechtigkeit", die "Wiederverteilung von Reichtum" (zakat im Islam), die "Bereicherung nur durch das produktive Kapital im legitimen Handel", das sind zuerst ethische Prinzipien, bevor sie islamische Prinzipien sind.

Liebe Gemeinde, lasset uns einen Moment den Blick zum Himmel wenden.

Oder auch nicht. Denn diese hehren Prinzipien haben nicht viel damit zu tun, ob Hundert plus fünf etwas anderes ergibt als Hundert plus fünf Prozent. Und sie haben nichts damit zu tun, ob Ali für sein Unternehmen einen Kredit bekommt, und zu welchen Bedingungen (Bedingungen? Verflucht sei das Wort. Reichtum muss wiederverteilt werden.)

Zuallererst, so scheint mir, Herr Ramadan, sind das wunderschöne Wörter, die bei jenen Leuten gut ankommen, die schon einen Joint geraucht haben und nun das Glas zum dritten Mal füllen, während sie über das Elend in dieser Welt elaborieren. „Ausgleichende Gerechtigkeit“, „Wiederverteilung von Reichtum“, das ist Gelaber, Herr Ramadan, aus bekannter Ecke.

Aber der Hohepriester Ramadan ist noch gar nicht fertig mit seiner Rede, und folgenden herrlichen Satz hat er auch noch für uns gesprochen, mit geübt verklärtem Blick zum Himmel:
„Diese hohen Werte existieren in allen religiösen und humanistischen Traditionen, und müssten unserer Praxis der Finanz eine neue Denkweise einhauchen.“ (5)
Mein Herz schmilzt, Herr Ramadan. Darf ich Ihnen noch einen Keks anbieten? Sitzen Sie bequem. Würden Sie mir die Güte erweisen, mit diesem Gelaber aufzuhören?

Herr Ramadan, erst haben Sie gesagt, das ganze sei fauler Zauber, dann haben sie beklagt, dass der durchschnittliche Muslim Mühe hat, von diesem faulen Zauber zu profitieren, und am Ende sagen Sie, dass der faule Zauber nicht mehr faul ist, wenn er islamisch ist - dann ist er auf einmal ethisch.

Darf ich Ihnen noch einen Keks anbieten, bevor ich Sie hinausbegleite? Und bitte, fühlen Sie sich nicht gezwungen, mir nochmals die Ehre zu erweisen. Ich habe schon jetzt grosse Mühe, nicht einfach loszuschreien ob Ihrem faulen Zauber. Ihrer Heuchelei.



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(1) Alle Zitate stammen aus einem Artikel in Le Temps vom 22.Mai 2006, Tariq Ramadan dénonce la hypocrisie de la finance islamique, von Myret Zaki
Übersetzungen durch den Blogger

(2) «ne font en réalité que remplacer le langage financier classique par une terminologie spécifique, déplore l'islamologue: en gros, on change les noms, mais on fait la même chose».

(3) «L'approche est trop utilitariste, et sa dimension éthique reste marginale.»

(4) «Il convient plutôt de parler d'éthique islamique en économie.»

(5) «Ces valeurs élevées existent dans toutes les traditions religieuses et humanistes, et devraient insuffler une pensée renouvelée dans notre pratique de la finance»

Tarik le marchand de tapis
Tariq Ramadans ungerade Wege

17 Juni 2006

Frieden

Der Iran braucht die Atomtechnik nur für friedliche Zwecke, versichert Achmadineschad immer wieder, darum dürfe man den Iran nicht daran hindern, Uran anzureichern. Niemand habe dem Iran etwas vorzuschreiben oder zu kontrollieren. Nur friedliche Zwecke seien das Ziel des Programmes. Die Anreicherung führt allerdings zu Uran, das man für gewöhnliche Reaktoren nicht braucht, das sich aber wunderbar für Bomben eignet.

Für westliche Ohren tönen die Beteuerungen von Achmadineschad falsch. und dennoch: Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass Achmadineschad die volle Wahrheit sagt, ehrlich und offen. Nur sagt er etwas, das man aus seiner Warte verstehen muss.

Denn Achmadineschad redet aus einer islamischen Theokratie, und diese hat die Absicht, ihre Art von Frieden zu verbreiten, und sie will das mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Denn der wahre und gläubige Muslim weiss, es ist seine Aufgabe, den Islam zu verbreiten und die Welt vom falschen Glauben zu befreien, also von Christentum, Judentum, Polytheismus, Atheismus.

Denn dieser Frieden kann nur sein, wo der Islam herrscht. Wo er noch nicht herrscht, da ist Krieg, und das muss ein Ende haben: Frieden ist das Ziel.

Das weiss der Gläubige, und diesen Frieden zu verbreiten, baut er Uran-Anreicherungsanlagen, diesen Frieden zu verbreiten baut er Bomben, diesen Frieden zu verbreiten baut er Langstreckenraketen, welche die friedensfördernden Bomben in die Welt hinaustragen - natürlich nur, wenn die betroffenen Staaten sich sträuben, diesen Frieden einfach so anzunehmen. Der Islam schreibt ja vor, dass man dem Ungläubigen eine letzte Gelegenheit geben soll, den richtigen Weg anzunehmen.

Die angepeilten und von den Raketen erreichbaren Staaten haben also die freie Wahl: Diesen Frieden anzunehmen, der nur im Islam möglich ist, oder eben weggebombt zu werden, damit endlich Frieden herrscht.

Wer Herrn Achmadineschads Vorstellung von Frieden teilt, soll die Hand heben.

08 Juni 2006

Kontext-Schwupps

Es ist ein beliebter Trick, unseren Blick vom Kontext abzulenken, in welchem eine Aussage gilt.

Unser Beispiel beginnt ganz angenehm, vernünftig und hübsch:

„Es ist ein Verbrechen, Frauen zum Kopftuchtragen zu zwingen“, sagt ein „niederländischer Islamwissenschaftler und Religionsgelehrter“ (1)
Endlich mal ein Mann, der die Sache beim Namen nennt, denken wir. Zwang ist schlecht, ja geradezu ein Verbrechen. Staaten und Gemeinschaften, die den Leuten ein religiöses Zeichen aufzwingen, sind zu verdammen, völlig richtig, völlig aufgeklärt. Es ist ja verrückt, dass man Frauen einpackt, endlich sieht das mal ein Muslim ein, mutig, dass er es sogar sagt. Er bekommt unsere volle Unterstützung, und unsere Sympathie.
Und dann fährt er weiter:
„Genauso ist es ein Verbrechen, Frauen am Kopftuchtragen zu hindern“, sagt er darauf.
Schwupps. Was sagen wir da? Zwang ist schlecht. Verbot ist schlecht. Leuchtet ein. Aber ein Verbrechen? Das ist wohl eine rhetorische Übertreibung. Sehen wir uns das mal ganz wohlwollend an, trotz des mulmigen Gefühls, und setzen wir es dann ins richtige Licht.

Eine Frau, die freiwillig ein Kopftuch trägt? Warum denn nicht?

Ich stelle mir also vor, wie sich Gina Lollobrigida im Mai vor ihrem Haus ein Kopftuch umbindet, sich in ihren offenen Sportwagen setzt und durch Rom kurvt. Die Männer horchen auf, wenn sie den Klang des Motors von ferne hören, sie leben auf, wenn sie Gina Lollobrigida sehen, sie drehen den Hals, wenn sie vorbeifährt und gucken ihr nach im weitergehen, bis ein Laternenpfahl sie stoppt, und sie fallen glücklich in Ohnmacht.
Sie wachen nach ein paar Sekunden wieder auf im Bewusstsein, Gina Lollobrigida in ihrem Maserati gesehen zu haben, mit Kopftuch und wehendem Seidenschal um den Hals, eine schöne Frau in einem schönen Wagen, ein Lob auf die Schöpfung, die ein solches Wesen schuf, und ein Lob auf die Ingenieure, die einen Wagen mit dieser herrlichen Form schufen, das geeignete Gefährt, dieses gottgeschaffene Wesen durch die Strassen zu tragen, ein Tribut an den Schöpfer, der uns die Fähigkeit gab, Schönheit zu erkennen und zu bewundern.

Ja, es ist ein Verbrechen, dieser Frau das Kopftuch zu verbieten. Das ist eine durchaus passende rhetorische Übertreibung. In diesem Kontext gilt die Aussage.

Und weil Gina Lollobrigida eine schöne Frau ist und wunderbar aussieht mit dem Kopftuch an einem Sommertag im Fahrtwind des Cabriolets, ist es dann möglich, dass man einer anderen Frau das Kopftuch verbietet, welche vor einer Klasse steht und Unterricht erteilt, und mit ihrem Kopftuch signalisiert, lernet fleissig, liebe Kinder, denn im Grunde bin ich Gina Lollobrigida, oder Brigitte Bardot, oder die Schönheit an sich, die jetzt in der freien Natur in einem Maserati Spyder in der Sonne kurvt und von der anderen Hälfte der Menschheit bewundert, geliebt und geachtet wird. Und wenn die Stunde vorbei ist und ihr auf die Strasse geht, liebe Kinder, dann kommt ein Cabriolet, und am Steuer sitzt eine selbstbewusste und schöne Frau in der Blüte ihres Lebens, und wenn ihr euch schön anstrengt und gut lernt und einen Beruf erlernt und fleissig seid, dann werdet ihr mal genug Geld verdienen um euch so ein Cabriolet zu leisten und es eurer geliebten Frau zum Geburtstag zu schenken, sofern sie es sich nicht schon selber gekauft hat, denn sie hat ja auch gut gelernt, gut gearbeitet, und sie kann sich das leisten, in dieser Gesellschaft, in der Frau und Mann gleichberechtigt sind und sich gegenseitig achten.

Ja, es ist ein Verbrechen, so einer Frau das Kopftuch zu verbieten. In diesem Kontext gilt die Aussage.

Und wenn sie das Kopftuch trägt, um zu sagen, dass ihre Religion das vorschreibt, weil sie sich vor den Blicken der Männer schützen soll, die sich nicht beherrschen können und die von jeder sichtbaren Haarlocke zur Vergewaltigung getrieben werden - dann stimmt etwas nicht. Denn solche Männer achten die Schöpfung nicht, von denen gibt es hier nur wenige, und die sperrt man besser in ein Heim oder aus dem Land, damit die Frauen sich nicht ihretwegen unter einem Tuch verstecken müssen. Denn es wäre ein Verbrechen, die Frauen dafür zu strafen, dass ein paar Schweinehunde ihre Sexphantasien nicht in den Griff kriegen und unverhüllte Frauen für Freiwild halten.
Ein solches Kopftuch würde ausserdem die missratenen Männer für normal erklären, und das wäre verheerend für die Gesellschaft, für die Frauen und die wirklich normalen Männer.

Ein solches Kopftuch ist eine dauernde Beleidigung der Männer, die sich im Griff haben.

In diesem Kontext wird das Kopftuch auch zur Beleidigung der Schöpfung. Und das darf durchaus als Verbrechen bezeichnet werden.

Es ist darum nötig und richtig, dieses Kopftuch zu verbieten.

Da kann ein „Wissenschaftler und Gelehrter“ den Kontext wegschwuppen, so lange er will.


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(1) Jytte Klausen, Europas muslimische Eliten, p 120 (eine soziologische Untersuchung, die durch ihre Datensammlung interessant ist, aber gegenüber den Grundaussagen des Islams ahnungslos wirkt)

Erfahrungsbericht in EMMA

französische staatliche Untersuchungen zum Kopftuch:
Rapport Stasi
Rapport Obin


Hans-Peter Raddatz zum Kopftuch
Frauen sind selber schuld, sagt ein islamischer Geistlicher
Morddrohung gegen Kopftuch-Kritikerin
Politik und Pseudomoral - Das muslimische Kopftuch und seine Botschaften
Chahdortt Djavann - Kopftuch ist wie gelber Stern
Kopftuchentscheid Bayern Januar 2006
Warum das Kopftuch nicht wie die Nonnentracht ist
Die Frauenrechtlerin Mina Ahadi über den 8. März im Iran, Musliminnen im Westen – und die Ignoranz der Europäer
Bericht aus Afghanistan
Ekin Deligöz zum Kopftuch und zur Freiheit.

Juni 2008: Ein Kopftuchverbot für Schülerinnen ist notwendig (ausführlicher Vortrag)
März 2009: Unter's Kopftuch geprügelt: klickmich

22 Mai 2006

Wörter 3.0

Was nebeldeutsche Wörter wirklich heissen

Meinungsfreiheit: Freiheit zu jeglicher Meinung, welche von den Muslimen gutgeheissen ist, oder wie der Zentralratsvorsitzende Ayyub Axel Köhler gegenüber der Welt am Sonntag sagte:
"Auch wir stehen für die Presse- und Meinungsfreiheit ein", sagte er. Man müsse sich aber die Frage stellen, in welcher Beziehung diese Freiheit zur Verantwortung stehe. (1)

Verantwortung
: Die Verpflichtung, sich so zu verhalten, dass sich kein Muslim daran stören kann. Die Meinungsfreiheit zum Beispiel soll mit Verantwortung gelebt werden, also ohne jegliche Kritik an irgendetwas, das einem Muslim nicht passt. Denn das wäre eine Provokation.

Religionsfreiheit: Freiheit der Muslime, ihre Religion auszuüben (2). Für Nicht-Muslime sieht das natürlich anders aus: Für diese bedeutet Religionsfreiheit die Freiheit aller, den Islam anzunehmen (3).

Traditionen: Koran und Hadithen. Zu behaupten, dass zum Beispiel Europa eigene Traditionen habe, wäre ein Mangel an Verantwortung. Zu behaupten, dass Traditionen auch mal durch Neuerungen abgelöst werden können, wäre eine Provokation.

Nation: Die Gemeinschaft der Muslime weltweit. Also nicht die deutsche Nation, oder die Willensnation Schweiz, sondern die Nation der Menschen, die zwar da leben, aber sich mehr dem Islam zugehörig sehen als dem Land, in dem sie leben. (siehe auch Mehrheitsgesellschaft)

Menschenrechte: Alle Menschenrechte, die durch den Koran gegeben sind. Also zum Beispiel das Recht, Muslim zu werden aber nicht umgekehrt (s.o.), das Recht, den Schleier zu tragen aber nicht umgekehrt, das Recht, eine Sondersteuer von Nicht-Muslimen zu verlangen aber nicht umgekehrt. (Die Organisation der Islamischen Staaten hat einen eigenen "Menschenrechtskodex" ausgearbeitet, weil sie die un-islamischen UNO-Menschenrechte nicht akzeptieren)

Gleichberechtigung: Die Gleichbehandlung von Gleichem, also die Gleichberechtigung von muslimischen Männern. Alles weitere wird auch gleich behandelt: Frauen werden wie Frauen behandelt, und Nicht-Muslime werden wie Nicht-Muslime behandelt - unter sich sind alle gleich, denn die Gleichberechtigung gilt für alle, schön nach Gruppen gesondert und abgestuft (4). Zuerst kommt der Muslim, dann die Muslimin, dann der Nicht-Muslim, und dann die Nicht-Muslimin.


(1) Die Zeit, 7. Mai 2006
(2) Ursula Spuler-Stegemann, Feindbild Christentum im Islam, p. 37
(3) Ursula Spuler-Stegemann, Feindbild Christentum im Islam, p. 38
(4) Ursula Spuler-Stegemann, Feindbild Christentum im Islam, p. 42

09 Mai 2006

Tricks - Verknubbeln

Fast einleuchtende Verknüpfungen

Zur Ablenkung von einem ungewünschten Thema kann ein Gesprächspartner Dinge miteinander verbinden, die auf den ersten Blick das Gleiche sind, auf den zweiten Blick höchstens noch verwandt, und bei genauerem Hinsehen nichts miteinander zu tun haben.

Nehmen wir als Beispiel den Ehrenmord. Kommt das Gespräch darauf, kommt schnell einmal ein Einwurf wie dieser:

Ehrenmord gibt es auch übrigens auch in Sizilien (1).
Stimmt, denkt der aufgeschlossene Mensch, und stutzt.
Ehrenmord,Blutrache etc etc haben ihren Urspruch im Talion.
Diese moralischen Verhaltensprinzipien haben nicht mit Religionen zu tun.
Hoppla. Sind wir also erwischt worden. Und dass Talion ein graeco-italisches Wort für Vergeltung von Gleichem mit Gleichem ist, weiss auch nicht jeder auf Anhieb.
Noch führt das tief-katholische Sizilien die Liste der Ehrenmorde an
schiebt vielleicht einer genüsslich nach, mit einem Seitenhieb auf das Christentum. Und wir zucken zusammen. Sizilien und die Vendetta, das kannten wir doch schon lange, aus der Zeitung, Filmen und Romanen. Sogar aus der Reklame: Da gabs dieses Plakat von Benetton, von diesem Oliviero Toscani, wo das Blut von einem Getöteten wegläuft (2), und drum herum sitzen drei Frauen, die trauern, wohl die Witwe, die Mutter und die Schwester - und jeder weiss, das ist ein Mafia-Mord.

Schon haben wir zu lange nachgedacht, und sind in einer anderen Welt, weit weg vom Islam. Abgelenkt mit einer Verknubbelung.

Denn unser Gegenüber verknubbelte Dinge, die nur eines gemeinsam haben: Es ist jemand ermordet worden.

Nehmen wir das auseinander:

Blutrache geschieht zwischen Clans, und die Opfer sind Männer. Beim Mafia-Mord handelt es sich um einen Mord innerhalb der „Ehrenwerten Gesellschaft“, und auch da werden die Frauen in der Regel ausgenommen.

Beim Ehrenmord hingegen wird eine Frau umgebracht, und sie wird nur umgebracht, weil sie in der Vorstellung der Mörder die Familienehre verletzt hat, sei es, dass sie einen Nicht-Muslim heiratete, sei es, dass sie eine von der Familie ungewünschte Beziehung hatte, oder, noch verrückter, dass sie vergewaltigt wurde.

In der Vendetta geht es um Vergeltung, bei der Mafia um die Macht des Clans gegenüber einem anderen Clan oder gegenüber der Gesellschaft, aber beim Ehrenmord, da geht es einzig um die Macht über die Frau. Um die Macht der Männer über die Frau, die im Islam nur halb soviel wert ist wie der Mann, und die vom eigenen Bruder oder Vater abgestochen werden kann, wenn so eine undefinierbare Ehre angekratzt ist.

Von diesem Wahnsinn wollte der Gesprächspartner hier ablenken, von diesem „moralischen Verhaltensprinzip“.

Mal schnell mit was anderem verknubbeln, dachte der Gesprächspartner, damit wir vom Islam wegkommen. Hoffentlich geht unter, dass dieses „moralische Verhaltensprinzip“ nur im in der muslimischen Welt vorkommt. Hoffentlich funktioniert die Verknubbelung.

Nein, diesmal funktioniert sie nicht. Wir haben es auseinandergeknubbelt.


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(1) Die Zitate sind original aus Blog-Diskussionen
(2) Siehe hier, scroll down.

Ehrenmord in England: klickmich
Ehrenmord in Deutschland: klickmich
Ehrenmorde und Gehorsamsprinzip: klickmich

02 Mai 2006

Wörter - Mehrheitsgesellschaft

Ein unheimliches Wort

Da gab es im April eine „Konferenz Europäischer Imame und SeelsorgerInnen in Wien 2006“, und diese Konferenz, scheinbar zum Thema Integration, hat auch ein Schlusspapier präsentiert. Ein langes Papier.

Hier sah der Blogger von Nebeldeutsch zum ersten Mal ein neues Wort

2006 muss von den Konferenzteilnehmern nüchtern festgestellt werden, dass es noch großer Anstrengungen auf allen Seiten bedürfen wird, um die Akzeptanz der Muslime in der Mehrheitsgesellschaft zu erreichen.
"Mehrheitsgesellschaft" ist das neue Wort. Ein wundersames Wort.
Die Interaktion mit der Mehrheitsgesellschaft darf nicht zur Voraussetzung haben, bedingungslos Religion, Kultur und sprachliche Vielfalt aufgeben zu sollen.
Mehrheit, das lässt Benachteiligung der Minderheit anklingen, Unterdrückung, Misshandlung, Arroganz, Missbrauch. Und da sind die Europäer, und insbesondere die Deutschen empfindlich. Das wollen sie sich nicht vorwerfen lassen. Wir haben Menschenrechte, Gesetze, Demokratie und Gleichberechtigung, und das wollen wir beweisen. Wenn einer kommt und uns unterschwellig oder konkret vorwirft, wir hätten da etwas versäumt, dann werden wir schnell nervös und aktiv und vergessen die Vorwürfe zu hinterfragen. Prompt fallen wir hinein. Wir wollen ja nicht als Rassisten dastehen, sondern als gute Demokraten und Verfechter der Menschenrechte.
Von der Mehrheitsgesellschaft erwarten wir ein Bekenntnis zu Diversität, eine Haltung gegen Tendenzen von Rassismus und Diskriminierung.
Schon geht ein unterwürfiges Nicken durch unserer Reihen, und wir hören gebannt zu, sagen schon beinahe ja per Blankoscheck, und nun kommt die detaillierte Bestellung:
Anreize und Möglichkeiten der verbesserten Partizipation liegen in der erleichterten Einbürgerung bei gelungener Integration, bei der Familienzusammenführung, beim Zugang zum Arbeitsmarkt, diversitiy management, positiver Diskriminierung und Quoten, der Nostrifizierung ausländischer Bildungsgänge, der demokratischen Teilhabe (z.B. kommunales Wahlrecht).
Hier fragt man sich das erste Mal, ob noch ein Mercedes 500SL für jede Familie mitgeliefert werden müsste. Es werden Bedingungen gestellt wie bei einer Belagerung, und Gegenleistungen werden keine genannt. Freies Geleit vielleicht? Es wird uns etwas mulmig.
Horizonte zu erweitern wird aber auch gezielter Förderung der Mehrheitsgesellschaft bedürfen. (Aus dem Kontext wird klar: Die Förderung DURCH die Mehrheitsgesellschaft ist gemeint.)
Moment Mal! Verhält man sich so in einer Gesellschaft, deren Teil man sein möchte? Einzuwandern und dann Forderungen zu stellen?

Aber vielleicht sollten wir zuhören, was gesagt wurde:
Es war nicht die Rede von "Gesellschaft", nicht die Rede von diesem Gebilde, dem du und ich zugehören, einfach weil wir da sind.
Die sprechen von "Mehrheitsgesellschaft."

Die Minderheiten wurden gar nie genannt. Ging es um Deutsche gegenüber Chinesen oder Spaniern oder Griechen oder Südamerikanern? Nein, es ging nicht um die Minderheiten in der Mehrzahl, es ging um die Mehrheit, welche Deutsche, Chinesen oder Spanier oder Griechen oder Südamerikaner einschliesst - und auf der anderen Seite stehen die Muslime.

Alle Nichtmuslime versus Muslime. Und das ist vertraut. Damit ist nämlich die Unterteilung Kufr (od. Kaffer, Nichtmuslime) und Umma (Gemeinschaft der Muslime) eingeführt. Ganz diskret. Ganz unverfroren. Und keiner hats gemerkt.

Damit wird die Integration verbal sabotiert, die Umma bleibt unter sich. Italiener, Spanier und Griechen haben sich als Individuen integriert, Muslime bilden die Umma, und sie verstehen sich als Gegenkraft, die Macht hat.

Ach so. Jetzt kommen wir der Sache näher. Nun werden auch Dinge wie „positive Diskriminierung und Quoten“ verständlich: Die Muslime sollen gegenüber den Nichtmuslimen bevorzugt werden. Im Moment sind sie noch in der Minderheit, aber da sie sowieso früher oder später die Mehrheit sind und das Sagen haben, gibt man besser schon jetzt den Muslimen eine Vorzugsbehandlung.

Mit dem Wort-Trick "Mehrheitsgesellschaft" soll erst einmal das schlechte Gewissen der Gesellschaft angesprochen werden und der Blick vernebelt. Dann kann die islamische Denkweise von Umma und Kaffer hereingeschmuggelt werden, und damit die Denkweise von Oben und Unten, von Herrscher und Beherrschtem, von Muslim und Dhimmi. Demokratie, Menschenrechte und Gesetz sollen der Scharia unterstellt werden. Mit dem schlauen Wort "Mehrheitsgesellschaft".

"Mehrheitsgesellschaft" ist ein nebeldeutsches Wort.

Das braucht unsere Gesellschaft nicht.


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"Solange die Muslime die Mehrheit stellen, haben sie das Recht, der Gesellschaft die islamischen Werte aufzuerlegen." klickmich

18.August 2007: ",gezwungen‘, mit der Mehrheitsgesellschaft zusammenzuleben“: Der bayerische Verfassungsschutz stuft ein Konzept eines Wiener Islam-Experten als integrationsfeindlich ein. klickmich
6.Januar 2008: Wenn der Kuffar feiert: klickmich


 

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