13 Februar 2007

Ins Gesicht lügen II

In Deutschland wird ein Zentralrat der Ex-Muslime gegründet, von Leuten, die ihre Abkehr vom Islam kundtun.

Für den Tübinger Islamwissenschaftler Reinhold Luth klingt die Vereinsgründung nach einer "bewussten Provokation". (Quelle)

Aber wieso denn? Ist es denn irgendwo ein Problem? Das ist doch das Normalste in einer modernen Gesellschaft, dass man den Glauben seiner Kindheit aufgibt und was anderes richtig findet.

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler „kann die Motivation des Vereins einfach nicht verstehen.“

Schließlich habe der Zentralrat bereits 2002 in seiner Charta festgehalten, dass jeder Muslim das Recht habe, die Religion zu wechseln oder auch gar keine Religion zu haben. (Quelle)

Die angesprochene Charta findet man hier (klickmich), und dort steht im Artikel 11.
[Es] bejahen die im Zentralrat vertretenen Muslime [..] die vom Grundgesetz garantierte gewaltenteilige, rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. [..]
Daher akzeptieren sie auch das Recht, die Religion zu wechseln, eine andere oder gar keine Religion zu haben.

Sie akzeptieren das Recht, für alle Christen, Juden, Buddhisten und in alle Richtungen.

Und für alle Muslime? Für Apostasie, die Abwendung vom Islam, gilt da auch die Freiheit?
Oh, nein, das hat niemand gesagt. Apostasie, weggehen vom Islam, das ist kein Wechsel, das ist Abfall, das kann man im Koran nachlesen (1), das ist des Todes, und darum steht das ja auch nicht in der Charta, dass Muslime den Islam verlassen dürften. (2)

Da hat aber der Herr Journalist den Herrn Ayyub Axel Köhler falsch verstanden. Denn ins Gesicht lügen und sagen, es gebe die Freiheit zum Abfall vom Islam, oh nein, das würde ein Muslim nie tun.

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(1) „Und wenn sie sich abwenden, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch niemand von ihnen zum Freund oder Helfer!“ (Sure 4,89). Erläutert hier: klickmich
(2) Für Muslime geht das völlig auf: Christen etc dürfen den Glauben verlassen (gemäss Koran dürfen sie ja Muslime werden), Muslime dürfen den Glauben nicht verlassen (für die gilt auch der Koran, und der verbietet den Abfall vom Islam).

Fatwa über die Bestrafung für Muslime, die sich vom Islam abwenden
Ausführliche Besprechung der Apostasie (englisch)
Hans-Peter Rassatz: Warum Kritik am Islam Gewaltreflexe auslöst

Analyse der Charta durch den Verfassungsschutz NRW : klickmich
Da steht am Schluss
[Es] scheint hier der Versuch unternommen worden zu sein, die essentielle Problematik zwischen der Verfassungsordnung und der Scharia durch mehrdeutige Formulierungen zu überdecken. Mit halbherzigen - weil auch ganz anders auslegbaren - Zugeständnissen an westliche Sichtweisen und einem – unter Vorbehalt stehenden - Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung kann der Verdacht, dass letztendlich doch eine ganz andere Gesellschaftsordnung angestrebt wird, die hier bewusst verschleiert werden soll, nicht ausgeräumt werden!
(Bezüglich Religonsfreiheit fällt der Bericht leider auf die Formulierungen herein.)

Kommentare:

Rubert hat gesagt…

Es handelt sich sehr wohl um eine Provokation! Und um eine kindische obendrein. Der Dialog, den unsere Gesellsachft führen sollte, muss das Ziel haben eine bestmögliche Lösung für ein zukünftiges Gesellschaftsmodell zu schaffen. Der Islam ist Teil unserer Gesellschaft. Muslime fühlen sich dennoch nicht unserer Gesellschaft zugehörig. Alles, was nicht auf einen konstruktien Beitrag ausgerichtet ist, würde ich deshalb in Zweifel ziehen. Aussagen wie die eines Zentralrates der Ex-Muslime zeigen keine kritische Auseinandersetzung mit Muslimen, sondern sind einzig darauf ausgelegt Fanatiker gegen sich aufzubringen, um dann weiter behaupten zu können der gesammte Islam sei eine Verkörperung des Bösen, der nicht kompatibel mit unserer Werteordnung ist. Die persönlichen Erfahrungen der Initiatoren sind Grund dafür, dass eine objektive Sicht dieser Leute auf die Situation des Islam in Deutschland und Europa nicht mehr gewährleistet ist. Ein gesellschaflich sinnvoller Beitrag bezieht aber alle Seiten ein und versucht nicht zu Spalten, sondern zu vereinen.

FreeSpeech hat gesagt…

Objektiv gesehen zeigen die Mitglieder des Islams, wie der Islam ist:

Dialogangebot an die Mitglieder des Zentralrates der Ex-Muslime: klickmich

Rubert hat gesagt…

Jawohl! Man sollte aber darauf hinweisen, dass "der" Islam nicht nur von den radikalen Gruppen repräsentiert wird. Nicht alle Muslime bedrohen Apostaten sofort mit dem Tod. Das Problem besteht darin, dass man Muslimen in Deutschland (als kleinsten Nenner) die Perspektive einer lebenswerten Koexistenz in Deutschland ermöglicht. Das Angebot, das die deutsche Gesellschaft bereitstellt ist mangelhaft (Schulbildung, Arbeit, etc.). Dieser Missstand führt zur Radikalisierung, weil islamistische Gruppen eine Heimat ermöglichen. Man sollte probieren die Lieberalen zu stärken und auch davon gibt es viele, obwohl diese natürlich nicht durch spekatukälere Aktion wie das medienwirksame verbrennen israelischer Fahnen oder Aufschriften wie "living bomb" aufwarten können. Beispiele zahlreicher liberealer Denker finden sich hier http://www.qantara.de

FreeSpeech hat gesagt…

Man sollte unterscheiden zwischen der Ideologie Islam und den Menschen, die zufällig in diese Umgebung geboren wurden.
Unter der Bücherliste des Blogs sind die Quellen des Islams aufgezeigt.
Die Ideologie ist nicht kompatibel mit den Menschenrechten. Wer sich also dazu bekennt, sagt damit, dass er nicht mit dem Grundgesetz kompatibel sein will.
Das ist auch mit noch mehr Sozialhilfe nicht zu ändern.

Rubert hat gesagt…

Glaube und Religion haben nichts mit Ideologie zu tun. Es ist geradezu bezeichnend für den Islamismus, dass er aus einer Religion eine politische Ideologie macht. Das wiederum läßt sich in einschlägiger Fachliteratur nachlesen (z. B. Krämer, Kepel, Roy, die alle über das Thema gearbeitet haben). Es gilt also zwischen Frömmigkeit und Politik zu unetrscheiden! Gerade die häufig verwendeten Schlagwörter wie Scharia, Fiqh, etc. werden von unterschiedlichsten Gruppen auch verschieden definiert. Es besthet keine Einigkeit, was genau die Scharia ist. So ist sie bei liberalen Denkern gerade durch ein "reduzieren" auf die "Koranischen Wert" wie Verstand, Gerechtigkeit, usw. reduziert und wird der konkreten Gesetzesvorschriften (Steinigen bei Ehebruch, usw. entledigt). Man beachte heir exemplarisch die Meinungen eines Abu Zaid oder des Sudanesen an-Na'im. Indem man alle in einen Topf schmeißt schwächt man diese lieberalen Stimmen und gerade das führt dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung,nämlich, dass der Islam in seiner Gesamtheit sich angergriffen fühlt. Um nur eins richtigzustellen: Ich habe überhaupt nichts gegen Kritik an Radikalen. Sie ist notwendig und unerläßlich. Ich halte es aber für wichtig nicht zu polarisieren und mit reisserischen Parolen Verallgemeinerungen herzustellen. Das ist auch eine ideologische Verblendung. Ich habe übrigens nicht von mehr Sozialhilfe gesprochen, sondern mich gegen pauschale Ausklammerung v.a. der muslimischen Jugend (das läßt sich hervorragend in der Arbeits- und Bildungsstatistik v. a. Berlins belegen)aus unsere Gesellschaft gewandt.

FreeSpeech hat gesagt…

Mir reicht die Lektüre von Koran, Hadithen und "Leben des Propheten", um den Islam als identisch mit dem Islamismus zu verstehen. Da brauche ich keine Sekundärliteratur.

Die "pauschale Ausklammerung v.a. der muslimischen Jugend" macht diese Jugend ganz alleine, da braucht es gar keine "reisserischen Parolen".

Rubert hat gesagt…

Bei so einer Einstellung wiederum fällt es mir schwer, konstruktiv an einem Dialog mit ihnen zu arbeiten. Ihre Auffassung wird, das muss ich Ihnen leider so klar sagen, von allen Leuten, die den Islam studiert haben bestritten werden. Weder Islam noch islamistische/fundamentalistische Bewegungen sind ein einheitlicher Block. Wenn sie sich bei der Lektüre des Korans/der Sunna sicher sind, was "der" Islam ist, habe sie den Muslimen einiges voraus.

FreeSpeech hat gesagt…

Ich bin mir bei der Lektüre des Korans / Sunna klar darüber, was "totschlagen" heisst und wie oft das geschrieben ist, und ich bin mir klar darüber, was es heisst, dass sich die Muslime keine Freunde nehmen dürfen unter den Nicht-Muslimen. Auch bin ich mir darüber im klaren, was die Goldene Regel
ist.

Allen Richtungen des Islams ist überdies die Inkompatibilität mit den Menschenrechten eigen. Siehe Koran und Menschenrechte in der Literatur des Blogs (und dort die Anmerkungen).

Und dies hat damit zu tun, dass es im Islam keine Ethik gibt, nur Regeln.

Rubert hat gesagt…

Natürlich läßt sich gewalttätiges und diskriminierendes Verhalten durch den Koran und die Sunna rechtfertigen. Die Textbasis gibt dies natürlich her.
Die Textbasis gibt aber auch genau des Gegenteil her. Wenn man die als heilig geltenden Texte als Grundlage eines pauschalen Urteils über eine Religion benutz ist dem Missverständnis Tür und Tor geöffnet. Ich möchte an dieser Stelle nur auf die Textstellen der Bibel hinweisen, die im Alten Testament das Bild eines unbarmherzigen Rachegottes zeichnet, dem die Ausrottung jedweder Feinde seiner Religion opporun erscheint (z . B. die Geschichte von Sodom) auch das Neue Testament hat in dieser Hinsicht zweifelhafte Stellen aufzuweisen, wie z . B. die Textstellen bei Matthäus, die als Grundlage für Judenverfolgungen genommen wurden, oder aber das frauenfeindliche Bild, das Paulus in seinen Briefen zeichnet. Dennoch hat die Kirche sich von diesen problematischen Inhalten distanziert (auch durch die vollzogenen Säkularisierung) und niemand würde auf die Idee kommen, dass Christen generell die Menschenrehcte ablehnen.
Im Islam gibt es Strömungen, die eine solche Säkularisierung ebenfalls befürworten.
Schon mal etwas von den sog. Maqasid ash-Sharia (Zielen der Scharia), bzw. Akhlaq ash-Scharia (Ethische Richtlinien der Scharia) gehört. Diese beiden Konzepte, die von wichtigen islamischen Rechtsgelehrten des Mittelalters (wie Ibn Hazm, ash-Shatibi, as-Suyuti) entwickelt wurden, bezeichenen die islamische Ethik. Die konkreten Regeln des islamischen Rechts gelten bei den meisten Muslimen als veränderbar. Gerade die liberalen Stimmen des Islams betonen übrigens diese koranische Ethik und betrachten die konkreten Regeln des Fiqh als in der Zeit wandelbar. Man muss anerkennen, dass sich in den letzten Jahren erkennbar radikalen Tendenzen im Islam ein Sprachrohr verschafft haben. Ich scheue mich aber nicht mich zu wiederholen, in dem ich eine Stärkung des liberalen Islams fordere, der uns nicht gelingt, indem wir eine indiffrenzierte Anfeindung aller Muslime betreiben. Das Schwarz-weiß-Denken nachdem eine Gruppe alle bösen Eigenschaften auf sich vbereint ist im Übrigen ein Wesensmerkmal des Faschismus, über dem wir ja auch erhaben sein sollten!

FreeSpeech hat gesagt…

Ich weiss nicht, wass die Bibel in dieser Diskussion zu tun hat. Der Islam steht der Demokratie entgegen, und die ist säkular.

Im übrigen glaube ich sofort, dass es im Islam ein Wort gibt, das ein Muslim mit Ethik übersetzt, so wie es ein Wort gibt, das der Muslim mit Frieden übersetzt. Aber das ist ein anderes Begriffsfeld. Ethik beruht auf der Verantwortung des einzelnen sich selber gegenüber, und die ist im Islam der Unterwerfung unter die Regeln des Islam untergeordnet.

FreeSpeech hat gesagt…

indiffrenzierte Anfeindung aller Muslime

Da machen Sie eine Unterstellung, die nicht zutrifft. Der blog Nebeldeutsch wendet sich nicht gegen Kulturmuslime, sondern gegen die Ideologie des Islam. Der Islam ist so reformierbar wie die Nazi-Ideologie. Beide sind Herrenmenschenideologien.

Dass Muslime, die dies erkennen, seelisch heimatlos werden können, kann ich mir vorstellen.

Rubert hat gesagt…
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