18 Juli 2007

Lügengrenze

Wenn es um die letzten Fragen im Islam geht, herrscht Ehrlichkeit.

Der Islam erlaubt zwar die Taqiya, die Täuschung der Ungläubigen zum eigenen Vorteil und zum Vorteil des Islams, aber es gibt eine Grenze. Ich habe mich immer gewundert, zu welchen Klimmzügen die braven Leute bereit sind, um Ungläubige zu täuschen - dieser Blog zeigt Dutzende von Beispielen - aber nie ist mir die blanke Lüge in Bezug auf Grundsatzfragen des Glaubens begegnet.

Auf die Frage, ob das Grundgesetz der Schweiz höher steht oder das Religionsgesetz des Islams, wird man vieles hören, aber man kann lange auf die Antwort warten, die Scharia sei ganz klar der schweizerischen Bundesverfassung untergeordnet. Denn das Glaubensgesetz steht höher. Auf die Frage, wie man es mit den Menschenrechten halte, ob nun die UNO-Menschenrechte gelten oder diejenigen der Kairoer Erklärung, auf diese Frage kommt in der Regel erst mal keine Antwort, dann eine ausweichende („natürlich gelten die internationalen Menschenrechte“), und dann kommt auch mal der Vorwurf, man hetze gegen den Islam. Das Glaubensgesetz steht höher.

Warum kommt keine einfache und klare Lüge auf eine solche Frage? Warum kommt nicht einfach, es gelte grundsätzlich und bedingungslos das, was in der UNO-Charta der Menschenrechte stehe? Es gelte die Verfassung der Schweiz, hier jetzt, und auch in Zukunft, und islamfrei. Das wäre doch simpel. Wir wären zufrieden.

Meine erste Theorie war, dass diesse Diskussionspartner aufpassen müssen, was sie in der Öffentlichkeit sagen. Dass sie aufpassen müssen, dass sie von der Umma richtig verstanden werden - und von den Ungläubigen richtig schön falsch. Dass dieses Nebeldeutsch nötig sei, weil sie sonst Gefahr laufen, in der eigenen Gemeinschaft ausgegrenzt zu werden, kritisiert zu werden, sie seine keine rechten Muslime.

Das war eine erste Näherung, sie geht in die richtige Richtung, aber die Wirklichkeit ist drastischer.

Es geht um Takfir, um den Prozess, andere Moslems zu Ungläubigen zu erklären. Das wäre dem einen oder anderen wohl egal, würde diese Erklärung einfach den Abbruch von Beziehungen bedeuten.

Takfir geht aber weiter. Takfir ist die Erklärung, dass jemand Apostat ist, und auf Apostasie steht die Todesstrafe. Takfir ist also in letzter Konsequenz die Freigabe zur Tötung. Wer eine Aussage macht, die den Glaubenssätzen des Islams widerspricht, kann mit Takfir rechnen. Er braucht dazu nicht mal selber vom Islam abzufallen wie Abdul Rahman aus Pakistan. Es reicht, wenn er eine Aussage macht, die nicht genehm ist, wie das Abu Zayd in Ägypten tat, der dann zum Glück nach Holland gehen konnte. Oder Nagib Mahfus, der Nobelpreisträger, der nur schwerverletzt überlebte. Oder Hirsi Ali, Abu Sina, Ibn Warraq und andere, die rund um die Uhr gegen Mordanschläge geschützt werden müssen.

Die Behauptung, dass es ein Gesetz über dem islamischen Gesetz gibt, eine solche Aussage verstösst gegen die fundamentalen Aussagen des Islams. Da liegt die Grenze der Lüge, die im Islam möglich ist, und darum kommt auf solche und ähnlich zentrale Fragen beliebig viel Nebel, aber keine satte Lüge. Denn da droht Takfir. Rübe ab.

Das dürfte dem einen odere anderen unangenehm sein.

Und darum gilt: Wenn es um die letzten Fragen im Islam geht, herrscht Ehrlichkeit. Etwas gewunden vielleicht, aber dennoch.

Machen Sie den Test. (1)


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(1) Es gibt eine Frage, auf die bekommt man von den Leuten eine klare Antwort. Von fast allen Leuten.
Die Frage lautet:

"Was sagen Sie zur Kairoer Erklärung der Menschenrechte, insbesondere Artikel 24"

Wer nichts zu verbergen hat, wird da klar antworten. Wer ausweicht, bei dem sollte man nachhaken, und nur völlig klare Antworten akzeptieren. Man erlebt aufschlussreiche Situationen.

Kommentare:

Jacques Auvergne hat gesagt…

Kluge Gedanken, wichtig für die Demokratie.

robert hat gesagt…

Ihr Leute der Schrift, weshalb vermengt ihr die Wahrheit mit der Lüge und verbergt die Wahrheit gegen euer Wissen? (3:71)

"Wahrlich, ein Teil von ihnen verdreht seine Zunge mit der Schrift, damit ihr es für einen Teil der Schrift haltet, obwohl es nicht zur Schrift gehört. Und sie sagen: "Es ist von Allah"; jedoch ist es nicht von Allah, und sie sprechen eine Lüge gegen Allah, obwohl sie es wissen." (3:78)

Bedeutung von Taqiya, siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Taqiya

FreeSpeech hat gesagt…

Bedeutung von Taqiya ohne Wiki-Weichspüler siehe

http://nebeldeutsch.blogspot.com/2007/09/taqiya-offiziell.html

Mustasim hat gesagt…

Du kannst Wiki als Weichspüler nennen, aber Wiki bezieht sich auf den Koran und dein Link auf Ahadith. Der Koran ist die Grundlage des Islams und nicht die Ahadith.

Wenn ich etwas über den christlichen Glauben präsentiere, dann zitiere ich aus der Bibel und nicht aus einem Buch, dass irgend ein Mönch 200 oder 300 Jahre nach Christus gelebt hat, und alles aufgeschrieben hat, was ihm die Leute auf der Strasse über den Christus erzählt haben.

FreeSpeech hat gesagt…

Christentum interessiert hier nicht. Der Islam steht im Gegensatz zum demokratischen Staat.

Le Penseur hat gesagt…

@mustasim:
Der Koran ist die Grundlage des Islams und nicht die Ahadith.
Das ist in dieser Form selbst eine Art von Taqiya, cher Mustasim! Darf ich ein bisserl was dazu zitieren?

Wie in der oben zitierten Einführung in das Kapitel "Sunnah und Hadith" erläutert wurde, ist neben dem Koran die Prophetentradition die zweite Quelle des islamischen Dogmas. Der Islam leitet seine Gebote und sein Gesetz (Sharia) nicht nur aus dem Koran ab sondern eben auch aus der Sunnah, bzw. den Ahadith, d.h. den Erzählungen über das Leben Mohammeds.

Die Art und Weise, wie Mohammed inmitten seiner Gemeinde lebte und seine Pflichten als beispielhafter Muslim erfüllte, die Gläubigen auf den Wegen Gottes führte, und die erforderlichen Regeln festlegte - all das verdeutlicht seinen Weg (Sunnah). Das Leben des Propheten hat also für gläubige Muslime absoluten Vorbildcharakter, jede seiner Handlungen ist göttlich inspiriert.
(zit. nach http://www.derprophet.info/inhalt/sunnah-hadith.htm)

Im Lexikon des Islam heisst es zur Verbindlichkeit des Hadith:
"Die Autorität der Sunna ist im Koran verankert, der von den Muslimen fordert, sich der Führung des Propheten zu unterwerfen und ihm zu folgen. Die Gläubigen dürfen sich Gott und seinem Gesandten nicht widersetzen und dürfen ihnen den Gehorsam nicht verweigern ..."
(ibid.)

Es geht hier also nicht um irgendwelche (un)fromme Legenden (besser gesagt: inhaltlich sind die meisten davon natürlich rein legendarisch, aber eben nicht im Sinne keiner Verbindlichkeit ihrer Geltung!), sondern um grundlegende Glaubensanweisungen, die das Verhalten des Moslems bis ins Detail regeln.

 

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