05 Juli 2007

Quadruvial

Ich habe mich erst mal gefreut über die guten Artikel, die man neuerdings von islamischen Autoren lesen konnte. Eine vernünftige Entwicklung bahnt sich an, dachte ich auf den ersten Blick.

In der NZZ berichtet ein Ex-Terrorist, was die wahren Beweggründe der Terroristen sind:

Vor nicht allzu langer Zeit war ich noch ein Mitglied jener losen Formation halbautonomer und primär durch ihre Ideologie verbundener Gruppen, die sich wohl am besten als Netzwerk des britischen Jihad beschreiben lässt. Da pflegte ich jeweils mit meinen Gefährten in triumphierendes Gelächter auszubrechen, wenn am Fernsehen wieder einmal behauptet wurde, dass islamistische Terrorakte wie die Anschläge vom 11. September oder die Bombenattentate in Madrid und London einzig durch die Aussenpolitik des Westens verursacht seien.
Indem sie ihren Regierungen die Schuld für unser Handeln zuschoben, nahmen uns diese Kommentatoren gleich die Propagandaarbeit ab. Und wichtiger noch, sie lenkten die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Triebfeder unseres Handelns ab - der islamistischen Theologie.(1)

Im Blog von Jürg Lau werden gleich zwei vernünftig tönende Artikel erwähnt, der eine von einem muslimischen Kaufmann in London, der andere von einem Kolumnisten aus dem arabischen Raum.

Auch der Kaufmann schreibt wie der Ex-Terrorist, dass man nicht die Aussenpolitik des UK für die Anschläge verantwortlich machen könne
The response from some UK Muslim groups (influenced by Islamist thinking) is still largely to blame foreign policy[..]. By blaming foreign policy they try to divert pressure off themselves from the real need to tackle extremism being peddled within .(2)

Der Kolumnist kritisiert den Todeskult:
Während die Welt auf eine Kultur setzt, die Zukunftshoffnung, Menschenrechte, den Wert eines menschlichen Lebens und des Glücks betont, huldigen einige Teile der arabischen Welt einer Kultur der Todesverherrlichung, Verzweiflung, Rache und Vergangenheitsfixierung. Sie glauben, dass der Mensch nur zum Sterben geboren sei, und dass sein einziger Lebenszweck darin bestehe, ein Opfer zu werden, dessen Blut auf irgendeinem Altar vergossen werden soll. (3)

Ja, sogar der MCB schreibt gegen das Töten von unschuldigen Zivilisten. (4)
Unschuldig? Das liess mich aufhorchen und genauer hinsehen. Denn auf Nebeldeutsch sind nur Muslime unschuldig, alle anderen sind berechtige Ziele. Ich sah mir also die Texte der vernünftigen und moderaten Muslime etwas genauer an.

Der arabische Kommentator zeigt, dass mit der Haltung der wahre Islam gekidnappt wurde:
Dieser falsche Islam hat nichts zu tun mit der Religion des Propheten, der als Botschafter und als Gnade in unsere Welt geschickt worden war. Die Kidnapper seiner Religion haben ihn getötet, und sie haben Mohammeds Religion getötet.
Wann, wann können wir wahre Muslime sein?

Der Ex-Terrorist fordert neue Regeln von den Scharia - Gelehrten
Wir brauchen neue, zeitgemässe Regeln, ein revidiertes Verständnis für die Rechte und Verantwortlichkeiten von Muslimen, deren Häuser und Seelen fest in dem verwurzelt sind, was ich das Land der Koexistenz nennen möchte. Und wenn dieses neue theologische Terrain erschlossen ist, dann werden Muslime im Westen sich von längst obsoleten Weltbildern befreien und die Regeln des Zusammenlebens neu formulieren können

Der Kaufmann sieht mit den aktuellen Ereignissen seine Freiheiten gefährdet
But blaming foreign policy in the face of suicide attacks is not only tactless but a cop-out that fails to tackle extremism, fails to promote an ethical foreign policy and fails to protect our civil liberties.

Aber keiner zeigt Mitgefühl mit den Mitmenschen. Keiner bezieht sich auf die Menschenrechte. Keiner redet von Säkularität. Von der Heiligkeit des Lebens. Von Nächstenliebe. Von der Goldenen Regel.

Sie suchen neue Regeln im Islam, nicht neue Einstellungen auf Grund von Erkenntnis. Sie suchen die Lösung nicht als Menschen, sondern als Muslime, innerhalb des geschlossenen Systems der Scharia, nicht nach der kritischen Methode des freien Geistes. Alle drei bleiben in der begrenzten Logik des Islams verhaftet und argumentieren von da heraus.

Wie gehabt. Nichts begriffen.

Es bleibt alles beim alten: Islam heisst Frieden, sagen sie wieder einmal, er wurde bloss gekidnappt, nun vertragt euch doch mit den Ungläubigen. Diesmal wird das allerdings nicht trivial ausgedrückt, sondern in der nächsten Stufe, quadruvial genannt.

Scheinbar gescheit, in Wirklichkeit bloss gerissen.

Nebeldeutsch quadruvial.

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(1) NZZ: Appell an meine Glaubensbrüder: Setzt dem Terror ein Ende! und NZZ Kommentar: Tödliche Kopfgeburten
(2) Jörg Lau Blog: Moderate Muslime, bekämpft die Radikalen mit einer alternativen Erzählung!
(3) Jörg Lau Blog: Die arabische Kultur des Todes
(4) Guardian, referiert in Jihad Watch

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Terror-Ärzte UK: klickmich
Terror-Ärzte USA: klickmich
Hippokratischer Eid vs muslimischer Eid: klickmich

1 Kommentar:

Patrick hat gesagt…

Holy shit!

Ich las den Original-Bericht auch irgendwo, aber Deine Analyse ist mal wieder messerscharf und rückt die zu Grunde liegende hermetische Denke ins gleißende Licht!

Dank Dir, Du Dosenöffner meiner Augen!

Weitermachen!

Gruß
P

 

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