27 Dezember 2006

Verstecken

Was wichtig ist im Islam, wird vor den anderen versteckt.

Es wird gesagt, aber nicht an erster Stelle, nicht am Schluss, sondern an einer unwichtigen Stelle, an einer Stelle, wo die erste Aufmerksamkeit nachlässt, oder an zweitletzter Stelle, wo man auf den Schluss schielt.

In der Einleitung zu einem Text wird der westliche Leser auf die falsche Spur geführt, am Ende eines solchen Textes wird eine harmlose Aussage gemacht, und nur der geübte Muslim, nur der geübte Nebeldeutsch-Leser weiss, dass die Botschaft an die Muslime genau dort steht, wo der westliche Mensch die langfädigen Ausführungen flüchtig liest, also dort, wo das Auge weiterstrebt, weil es die echte Information am Anfang erwartet, als These, oder am Ende, als Zusammenfassung.

Nehmen wir die Aussage zur Gewalt im Islam, die von Papst Benedikt XIV aufgebracht wurde, von den Muslimen mit mörderischem Protest abgelehnt, und die im klärenden Brief der 38 Muslime an den Papst bestätigt wurde, aber so versteckt bestätigt wurde, dass es für die meisten Journalisten und Theologen unsichtbar blieb.

Der Brief der Muslime hat 5 Seiten, wenn man die Liste der Unterzeichner mitzählt. 21256 Anschläge, 3819 Wörter, 260 Absätze. Der Brief wurde geschrieben, weil der Papst sagte, dass der Islam ein Gewaltproblem habe.

Man hätte eine wohlbegründete Erklärung von den 38 sogenannten Gelehrten erwartet, dass und warum der Islam mit Gewalt nichts am Turban hat.

Der Brief scheint das auch zu erklären, erklärt es aber nicht. Der Brief weist im ersten Abschnitt auf das Zitat von Palaiologos hin, das der Papst verwendete (1), und der Brief stellt im ersten Abschnitt einen irreführenden Bezug her: Das Zitat benannte die Gewalt im Islam, der Brief spricht vom Bezug zwischen Vernunft und Glauben. Es wird darauf vom Zwang in der Religion geredet, den es nicht gebe, von Gottes Transzendenz, von der Anwendung von Vernunft, es wird die Frage nach dem Heiligen Krieg aufgeworfen, ein Begriff, denn es in islamischen Sprachen gar nicht gebe, es wird über Zwangsbekehrung gesprochen, die Frage aufgeworfen, was denn Palaiologoas neues erwartete, dann kommt milder Spott über Experten, die in Anführungszeichen geschreiben werden, und dann kommt das Ende mit einer scheinbaren Zusammenfassung über Christentum und Islam.

Halten wir fest: Es ging darum, den Vorwurf der Gewalt im Islam zu entkräften.

Sehen wir uns den Abschnitt über den Heiligen Krieg an, welches Wort es in den islamischen Sprachen nicht gebe. Er befindet sich auf Seite 2 des Briefes.

What is “Holy War”?
We would like to point out that “holy war” is a term that does not exist in Islamic languages.
Damit ist der Ton gesetzt: Der Westler hat keine Ahnung. Wenn es das Wort nicht gibt, gibt es die Tatsache nicht. (2)
Jihad, it must be emphasized, means struggle, and specifically struggle in the way of God.
Jihad. Da ist es ja, das Wort, das es nicht gibt! Es heisst arabisch Jihad, und es heisst scheint's bloss Streben, und - naja - Kampf, und spezifisch Kampf „in the way of God“.
Gut gemacht. Streben, Anstrengung, Persönlichkeitsbildung, innerer Kampf, Bemühen, Gott, Transzendenz, Glaube, Liebe - der geschickt plazierte Satz bietet dem wohlwollenden Leser die ideale Projektionsfläche für ein christliches Verständnis des Glaubens, Strebens und der Liebe.
This struggle may take many forms, including the use of force.
Use of force heisst Gewaltanwendung. Punktum. Wenn sie nicht dazugehörte, dann würde das genau hier geschrieben werden, genau hier begründet werden - der Text ist ja nicht von der Putzfrau nach der Arbeit verfasst worden, sondern er ist von 38 sogenannten Gelehrten über ein paar Monate sorgfältig redigiert worden.
Though a jihad may be sacred in the sense of being directed towards a sacred ideal, it is not necessarily a “war”.
Jihad ist nicht notwendigerweise Krieg (die Anführungszeichen sind überflüssig), aber Jihad ist im wesentlichen Krieg, praktisch immer Krieg, und nur im Ausnahmefall nicht Krieg.

Es wurde gesagt, Islam ist Gewalt, und keiner hat es gesehen. Es war gut versteckt. Aber wir lernen, gut hinzusehen:

Was wichtig ist in einem islamischen Text, kommt nicht am Anfang als These, nicht am Schluss als Konklusion, sondern irgendwo zwischen dem Gerümpel versteckt.



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(1) «Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.» nach NZZ am Sonntag 17. September 2006

(2) Es sei am Rande bemerkt, dass es keine islamische Sprache gibt: Religion ist kein Klassifikationsmerkmal für Sprachen. Ein weitere Versuch der Irreführung des Lesers.


Ergänzung 1
Kaum ist gesagt, dass Islam Gewalt rechtfertigt, geht die Nebelkanone an, für alle Fälle:
Schnell kommt die einzige Stelle, wo Jesus davon spricht, er habe das Schwert gebracht - und wer sich die Mühe nimmt, diese Stelle zu lesen (Matthäus 10: 34-36), sieht, dass es da um folgendes geht: Dass der Glaube wichtiger sein kann als die Familienbande. Das Schwert ist nur das Bild für die Trennung der Verpflichtung von Tochter oder Sohn gegenüber dem Vater, das Bild dafür, dass sich ein Mensch irgendwann selber entscheiden muss, ob der Vater das Sagen hat, oder ob er auf seinen Glauben und sein Gewissen hören soll. Das Schwert ist Bild und nicht konkret, im Gegensatz zum Islam.
Zur Sicherheit, damit die Leser des Briefes sicher die Bestätigung der Gewalt überlesen, kommt noch ein Hinweis, wie die Armee des Pharao bei der Verfolgung der Juden umkam. Es folgen in dem Abschnitt 453 Wörter, welche die Aussage, Jihad ist Gewaltanwendung, vertuschen (die durchschnittliche Buchseite hat ca. 300 Wörter). Die 453 Wörter sind insofern interessant, als sie die üblicherweise aufgezählten Gründe bringen, warum der Muslim eben Gewalt anwenden darf: Er definiert die Mitmenschen als Feinde, die ihm etwas weggenommen hätten, oder als Pack, das seine Überlegenheit ablehnt.
Der Abschnitt über den Heiligen Krieg, den es - herrje! - scheint‘s gar nicht gibt, ist erschreckend. Er detailiert Gründe für Gewalt und tut so, als ob er die Gewalt ablehne.

Ergänzung 2
Warum sagen sie, es sei Gewalt und verstecken es doch? Dies ist eine Frage, die nach einer besonderen Analyse ruft. Ich denke, es geht darum, dass der Muslim, der den Text liest, die richtige Information bekommt, während sie vor dem anderen Leser verborgen sein soll.
Der Nicht-Muslim soll nicht wissen, der Muslim soll wissen. Das erklärt auch, warum sie gewalttätig protestieren, wenn man sagt, der Islam sei gewalttätig: Es ist zwar so, aber es darf nicht gesagt werden. Der Islam regelt das Newspeak. Auch das ist ein Element der Gewalt.

Nebeldeutsch Infos zum Jihad: klickmich

 

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